Saturday, February 21, 2009

Is the lynx coming to Luxembourg?

21.02.2009 09:01 Uhr, aktualisiert 21.02.2009 09:11 Uhr

Kommt der Luchs nach Luxemburg?
Forstverwaltung: „Auftauchen im Großherzogtum nicht unwahrscheinlich“

Von Birgit Pfaus-Ravida

Bär und Wolf werden in unseren Breitengraden schon lange nicht mehr gesehen. Auch der eurasische Luchs, der Lynx lynx, ist eine Spezies, die sich eigentlich nicht mehr in luxemburgischen Wäldern tummelt. Und doch ist er gar nicht weit weg. In der Großregion wurden schon einige Tiere gesichtet, und es besteht die Möglichkeit, dass in nächster Zeit Exemplare dieser artengeschützten Raubkatze das Großherzogtum durchwandern.

„Über gesicherte genetische Analysen in Deutschland, im Raum Gerolstein, ist bestätigt, dass sich der Luchs dort aufhält“, so Laurent Schley von der luxemburgischen Forstverwaltung. Genetische Analyse – das bedeute, dass man beispielsweise Haare an einem Drahtzaun gefunden und untersucht habe. Solche gesicherten Meldungen gebe es auch aus der deutschen Nordeifel und aus Aachen, aus Belgien direkt im Dreiländereck nahe der nördlichen luxemburgischen Grenze sowie aus Maastricht und der Wallonie. „Die Anzahl der Tiere ist aber jeweils unklar“, so Laurent Schley.

Der Luchs – sollte er sich wirklich auf Luxemburg zubewegen, sich hier gar niederlassen? Das sei nicht unwahrscheinlich, so Schley. Unbestätigte Meldungen von Menschen, die die mittelgroße Raubkatze gesehen haben wollen, gebe es auch aus dem Trierer und Bitburger Raum. Dies und die bestätigte Präsenz in den genannten Grenzgebieten zeige die Möglichkeit auf, dass der Luchs ins Großherzogtum kommen könne.
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Ein „diskretes Tier“

Leicht zu sichten ist das Tier aber nicht. Schließlich hat jeder erwachsene Luchs ein Revier von 100 bis 200 Quadratkilometern. „Luchse sind Einzelgänger, die nur zur Paarung zusammenfinden“, erläutert Schley, der Doktor der Biologie ist. Daher finden sich in einem Revier immer höchstens zwei Luchse gleichzeitig. „Außerdem ist der Luchs ein sehr scheues und diskretes Tier“, erklärt Schley und erzählt eine Anekdote dazu. Ein ihm bekannter Tierfilmer habe einmal zwei Stunden „auf der Lauer gelegen“ – ohne zu bemerken, dass es sich ein Luchs genau neben ihm gut versteckt bequem gemacht hatte.

Das zeigt auch, dass der in Luxemburg und auch europaweit geschützte Luchs eines garantiert nicht ist: gefährlich für den Menschen. Er versteckt sich, duckt sich weg, ist nicht aggressiv – und auch prinzipiell kein Träger von Krankheiten wie beispielsweise der Tollwut.

Natürlich ist er trotzdem keine „Schmusekatze“, sondern ein Raubtier, das unter anderem Mäuse, Dachse und Füchse, aber vor allem und vorzugsweise Rehe frisst. Das, so weiß Laurent Schley aus Gesprächen und aus Erfahrung, sei oft ein Problem für Jäger. „Deren Sorge ist manchmal, dass der Luchs die Reh-Bestände zu sehr dezimiert“, weiß Schley aus dem Dialog mit Jägern.

Dabei gebe es zum einen einen „riesigen Rehbestand“ in Luxemburg. Zum anderen sei erwiesen: „Ein erwachsener Luchs frisst im Schnitt ein Reh pro Woche – und das auf einer Fläche von 100 bis 200 Quadratkilometern. Die Rehwilddichte beträgt schätzungsweise jedoch 24 bis 30 Tiere pro Quadratkilometer Wald“, rechnet Schley vor. Selbst wenn also der Luchs hierzulande flächendeckend präsent wäre, wäre das keine Gefahr für den Rehwildbestand. Im Gegenteil: In Ländern wie Slowenien, wo der Luchs erfolgreich wieder angesiedelt worden sei, seien die Rehwildbestände nachweislich gesünder und widerstandsfähiger als in anderen Ländern. „Nicht, dass der Luchs sich gezielt alte und kranke Tiere holt“, erläutert Schley. „Doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein gesundes Reh dem Luchs entkommt, ist eben größer als bei einem kranken.“ Zudem hätten sich Luchs und Reh über Jahrtausende parallel entwickelt – und nachgewiesenermaßen seien die Rehe nicht ausgerottet worden.
Viele Junge sterben

Wenn ein Wildtier sich seinen alten Lebensraum zurückerobert, kommen bei den Menschen oft ganz alte Ängste auf. Bär und Wolf, die Menschen angreifen – und der Luchs, der auch Schafe reißt, also ein Nutztier des Menschen. „In der Tat werden in der Schweiz, in der der Luchs ebenfalls heute wieder ein Zuhause gefunden hat, ab und zu Schafe von ihm gerissen“, räumt Laurent Schley ein. Jedoch seien das nur etwa 0,15 Prozent der Schafe, die auf Almen weideten. „Bis zu fünf Prozent der Tiere fallen jedoch anderen Todesursachen zum Opfer – sie stürzen ab, werden von Felsen erschlagen oder von Hunden getötet“, so Schley. Trotzdem fielen die 0,15 Prozent rein psychologisch oft mehr ins Gewicht.

Für den Fall des Falles gebe es sogar einen öffentlichen Topf, aus dem Schäden, die eine geschützte Tierart anrichtet, bezahlt würden. Sollte also je ein Luchs in Luxemburg gesichtet werden, und sollte dieser wirklich ein Nutztier angreifen und gar töten, wird, nachdem bewiesen ist, dass es ein Luchs war, der Schaden aus staatlichen Mitteln bezahlt. Laurent Schley betont jedoch noch einmal: „So etwas kommt wirklich ganz, ganz selten vor.“

Als Lebensraum für das Raubtier seien in Luxemburg vor allem Teile des Öslings in jedem Fall geeignet. Leicht haben es die Luchse jedoch trotzdem nirgends. Bei den Jungen gibt es eine hohe Sterblichkeit. Die wenigsten werden ein Jahr alt – und ganz selten erreicht ein Luchs in Freiheit das Höchstalter von 17 Jahren.

http://www.wort.lu/wort/web/letzebuerg/artikel/07527/kommt-der-luchs-nach-luxemburg.php

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